Nahaufnahme einer symbolischen Gasrechnung (picture alliance / CHROMORANGE)

Dass sich die Abschlagszahlungen für Gas drastisch erhöhen, passiert in diesen Tagen immer wieder. Was aber ist im Rahmen und was völlig übertrieben? Und was können Betroffene tun?

Christina H. aus Niedernhausen staunte nicht schlecht, als sich vor einem Monat ihr Gasanbieter Shell Energy meldete. Er kündigte an, dass zum 1. November der Preis für Gas steigen wird und dann höhere Abschlagszahlungen fällig werden. Rund 2.200 Euro sollte die alleinerziehende Mutter jeden Monat zahlen, viermal so viel wie bisher. "Ich habe es dreimal gelesen und habe wirklich gedacht, ich lese falsch. Und es hat mir dann auch tatsächlich die Füße weggehauen."

Nicht zu stemmen

Die 50-Jährige lebt mit ihrem Sohn und ihrer pflegebedürftigen Mutter in einem Einfamilienhaus. Ihre größte Sorge: Die Familie müsste dort ausziehen. Die Hessin arbeitet bei einem Transportdienstleister, aber mit ihrem Gehalt könnte sie diese hohen Abschlagszahlungen nicht stemmen. Auf Anfrage begründet Shell Energy sie so: "Die Beschaffungskosten sind gerade für Gas in den letzten zwölf Monaten drastisch gestiegen. Diese Preissteigerungen können wir als Unternehmen nicht abfedern und sind daher gezwungen, diese an unsere Kunden weiterzugeben."

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Neben den höheren Gaspreisen spiele der individuelle Verbrauch eine Rolle. Die Familie aus Niedernhausen räumt ein, dass der mit 40.000 Kilowattstunden im Jahr wohl überdurchschnittlich sei: "dadurch, dass wir die Mama hier zu Hause haben, die ja nun ihre Zeit im Rollstuhl verbringt, und natürlich auch deutlich schneller friert", sagt H.. "Natürlich bin ich bereit, dann auch dementsprechend meinen Abschlag dafür zu bezahlen, aber das muss natürlich irgendwie im Rahmen sein."

Höhere Abschlagszahlungen keinesfalls ignorieren

Dass sich Abschläge plötzlich verdoppeln, verdreifachen oder gar vervierfachen, erlebt Verbraucherschützer Peter Lassek in diesen Tagen immer wieder. "Insbesondere bei sogenannten Discountern, die in der Vergangenheit ja mit recht günstigen Preisen punkten konnten und viele Kunden auch gelockt haben - bei denen sieht man, insbesondere bei denen, die jetzt nicht langfristig und vorausschauend eingekauft haben, dass es da zu horrenden Preissteigerung und Anhebung der Abschläge kommt."

Verbrauchern empfiehlt Lassek: Wenn sie Ihren aktuellen Verbrauch kennen, sollten Sie die Berechnungen der Abschlagszahlungen auf Rechenfehler überprüfen. Keinesfalls sollten sie die erhöhten Abschlagszahlungen ignorieren und Zahlungen einfach aussetzen. Denn "es kann tatsächlich passieren, wenn ich in Verzug gerate mit zwei Monatsbeträgen oder mit mindestens 100 Euro, dass mir das Gas oder der Strom abgedreht wird."

Was Verbraucher tun können

Wer durch hohe Abschlagszahlungen in Schwierigkeiten gerate, solle stattdessen schnellstmöglich den Energieversorger informieren. Oft könne man sich auf Ratenzahlungen einigen. Werden Preise und Abschläge erhöht, haben Verbraucher außerdem ein Sonderkündigungsrecht. Und Christina H. aus Niedernhausen hat tatsächlich gekündigt. Ab November ist sie Kunde beim Grundversorger, bei der Mainova, und zahlt da so viel wie früher.

Aber längst nicht jeder Verbraucher hat so viel Glück. Deshalb will auch die Politik helfen. Überlegt wird mittlerweile, ob der Staat einmalig die Abschläge für Dezember übernimmt. Ab nächstem Jahr könnte außerdem die sogenannte Gaspreisbremse greifen, der Gaspreis also vorübergehend auf zwölf Cent je Kilowattstunde gesenkt werden. Entschieden ist allerdings noch nichts, gibt Verbraucherschützer Lassek zu bedenken. "Die Bundesregierung berät ja auch erst in den nächsten Tagen. Das heißt, es ist vieles noch offen, ob und inwiefern es da zu Entlastungen kommen wird." Und dauerhaft dürften sich Verbraucher Lassek zufolge an höhere Gaspreise und Abschläge gewöhnen müssen.

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