Containerschiffe im Hafen, die auf Ausfahrt warten

Deutschland ist eine Exportnation – daran war jahrelang nichts zu rütteln. Doch im Mai dieses Jahres passiert es: Zum ersten Mal seit 14 Jahren hat Deutschland mehr importiert als exportiert, so das statistische Bundesamt. Doch stehen wir tatsächlich vor einer Trendwende? Und welche Rolle spielen dabei die hohen Energiekosten und der sich anbahnende Handelskonflikt mit China?

Autos, Autoteile, Maschinen und chemische Produkte. Das sind die Güter, die am häufigsten aus Deutschland in die Welt verkauft werden. Insgesamt exportiert Deutschland so viel, dass es die drittgrößte Handelsnation der Welt ist – nach den USA und China, sagt Florian Dorn, Ökonom am Ifo-Institut: "Aber im Vergleich zu den anderen beiden Ländern hängt unser Wohlstand in ganz besonderem Maße vom globalen Handel und reibungslos funktionierenden Wertschöpfungsketten ab. Man sieht, dass der Export ganz entscheidend ist für den Wohlstand in Deutschland.“

Umso düsterer sind die Wolken, die einige Ökonomen schon am Himmel entdeckt haben - angesichts der enttäuschenden Export-Bilanz im Mai. Doch Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen – kurz BGA beruhigt: "Aus meiner Sicht steht die Exportnation Deutschland besser da, als die Zahlen im Mai es vorhergesagt haben. Und der bereits angestimmte Abgesang ist verfrüht. Was wir hier sehen ist die Kombination einer Dollarstärke und sehr stark steigenden Energiepreisen, die uns die Handelsbilanz vermiesen.“ 

Ein Handelskrieg mit China wäre fatal

Jandura vermutet, dass die schwache Handelsbilanz für Deutschland eher ein kurzfristiges Phänomen ist. Dennoch: Die vielen Krisen, die durch den Klimawandel, den Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie auf einmal wirken, lassen Dirk Jandura als Präsident des BGA angespannt auf den Herbst schauen: "Weil wir doch sehr viele Entwicklungen beobachten, die kritisch sind. Ich denke da an die Krise im pazifischen Raum zwischen USA und China, die sicherlich deutliche Auswirkungen hätten auf die deutsche Exportwirtschaft. Eine weitere Entwicklung, die ich mit Sorgen sehe, sind die Zahlen, die gerade aus China gemeldet werden. Wir bemerken hier eine deutliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums.“

Auch das mit Folgen für die deutsche Wirtschaft. Ungleich heftiger aber wären die Auswirkungen eines Handelskriegs mit China.

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„Ich denke da an die Krise im pazifischen Raum zwischen USA und China, die sicherlich deutliche Auswirkungen hätten auf die deutsche Exportwirtschaft.“
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Zu diesem Schluss kommt Florian Dorn vom Ifo-Institut in einer Simulation, die er für eine Studie durchgerechnet hat: "In unseren Ergebnissen kommt heraus, dass das schätzungsweise sechs Mal so teuer wäre, wie die Kosten für den Brexit. Wenn wir jetzt sehr kurzfristig einen Handelskrieg starten würden, und unsere Unternehmen keine Zeit hätten, neue Handelspartner zu finden, könnten die Wachstumseinbußen nochmal deutlich erheblicher sein.“

Deutschland muss nach neuen, zusätzlichen Handelspartnern schauen

Verlierer wären vor allem: Die deutsche Automobilindustrie und der Maschinenbau. Trotzdem: Eine Krise des deutschen Wirtschaftsmodells sieht Ökonom Florian Dorn nicht: "Das Wirtschaftsmodell, das auf Außenhandel und Exportorientierung ausgerichtet ist, kommt nicht an seine Grenzen, aber es muss sich neu justieren.

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„Das Wirtschaftsmodell, das auf Außenhandel und Exportorientierung ausgerichtet ist, kommt nicht an seine Grenzen, aber es muss sich neu justieren.“
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Das heißt, wir sollten kritische und einseitige Abhängigkeiten von Ländern, die gerade politisch unsicher sind, vermeiden.“ 

Heißt: Unternehmen sollten sich nach zusätzlichen und unterschiedlichen Handelspartnern umschauen. Etwa in Afrika und Südamerika. Und die Regierungen sollten neue Handelsverträge auf den Weg bringen, sagt Dorn. Dann werde die deutsche Wirtschaft von mehr Globalisierung und mehr Export profitieren.

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