Kinder in einer Kita

Nach dem schlechten Abschneiden von Grundschülern beim IQB-Bildungstrend 2021 wird wieder einmal über die Kita-Pflicht diskutiert. Teile der CDU wollen sie, Grüne und SPD sind eher dagegen. Was sind die Argumente dafür und dagegen?

Die aktuelle Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien von der CDU, ist wohl die gewichtigste Stimme pro Kita-Pflicht. Den Kieler Nachrichten sagte Prien, die auch Bildungsministerin in Schleswig-Holstein ist: "Eine Verpflichtung ist für diese Kinder der richtige Weg, um die Bildungschancen zu verbessern." Prien schlägt vor, den Sprachstand aller Kinder spätestens alle vier Jahre zu erfassen. Wird ein Sprachförderbedarf festgestellt, sollte mindestens das letzte Kita-Jahr für dieses Kind obligatorisch sein.

"Widerspricht dem Inklusionsgedanken"

Mit diesem Vorstoß sorgte Prien aber schon beim eigenen Koalitionspartner in Kiel für Irritationen. Die für Kitas zuständige Sozialministerin von Schleswig-Holstein, Aminata Touré von den Grünen, teilte mit, verpflichtende Kita-Besuche seien bewusst nicht Teil der Koaltionsvereinbarung und damit auch nicht für die Legislatur vorgesehen. Wichtig seien stattdessen systematische Schuleingangsuntersuchungen. Gegendwind kommt für den Vorschlag der KMK-Vorsitzenden auch aus anderen Ländern. In Niedersachsen teilte der Sprecher des SPD-geführten Kultusministeriums zum verpflichtenden Kitabesuch mit: "Das widerspricht dem Inklusionsgedanken, ist zudem praktisch schwer umsetzbar und zweifelhaft ob der Wirksamkeit."

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Letzter Ausweg Kita-Pflicht? Der Bund und die Bildungsmängel

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Aber es gibt auch wohlwollende Stimmen, die Prien unterstützen. Der ehemalige Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Stephan Dorgerloh von der SPD, jetzt Bildungsberater, erläutert im Deutschlandfunk: "Wir haben eben in vielen Städten im Grundschulbereich zum Teil Quoten von 40 Prozent Schülerinnen und Schülern, die mit einer Migrationsgeschichte dort lernen, und das heißt gerade auch die Kinder aus einer ersten Generation, wo zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird, müssen zwingend in eine Kita. Und diese Gruppen zu erreichen, ist im Augenlick noch etwas schwer und deswegen: Kita-Pflicht."

In Hessen derzeit kein Thema

Letzteres sieht man im hessischen Kultusministerium etwas anders. Es verweist auf die hier angebotenen Vorlaufkurse für angehende Grundschulkinder, die schwache Deutschkenntnisse haben. Für Kinder, die nicht gut genug Deutsch sprechen, sind sie in Hessen seit vergangenem Jahr verpflichtend. Vorher waren sie freiwillig. Die Idee für die Kurse hatte der ehemalige hessische CDU-Ministerpräsident Roland Koch, die Kurse richteten sich vor allem an Kinder von Migranten. Sie wurden 2002 eingeführt und waren politisch hochumstritten.

Inzwischen haben viele Bundesländer die Kurse aber in ähnlicher Form kopiert. Eine Kita-Pflicht ist in Hessen also derzeit kein Thema. Obwohl die Ergebnisse des jüngsten IQB-Bildungsstandards auch in Hessen alles andere als berauschend waren. In Rechtschreibung verfehlte fast jedes dritte hessische Kind den Mindeststandard.

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