Neu in hr-iNFO: funkkolleg.Klima Dem Klimawandel auf der Spur

Den Klimawandel auf verständliche Art erklären und verstehen? Keine leichte Aufgabe. Vor dieser Herausforderung stehen auch Lehrer und Schüler, die das Thema im Unterricht bearbeiten. Das neue Funkkolleg der hr-iNFO-Wissenschaftsredaktion will dabei in zwölf Folgen helfen.

Host Jennifer Sieglar
Host Jennifer Sieglar Bild © hr
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Warum habe ich einen so großen CO2-Fußabdruck, obwohl ich auf Klimaschutz achte? Und wie kann ich durch meine Ernährung selbst etwas gegen die Klimaerwärmung tun? Das sind nur einige der Fragen, die sich nicht nur Erwachsene, sondern auch Schüler stellen. Und die wollen Antworten dazu: "Wir brauchen in der Schule einfach viel mehr die Stärkung von dem Themenbereich Klima und Klimawandel. Das heißt, dass Leute faktenbasierter dazu sprechen können", sagt Julius, 17 Jahre, Schülersprecher.

Wer ist schuld am Klimawandel?

Das neue funkkolleg.Klima widmet sich deshalb wichtigen Fragestellungen rund um das Thema. Gemeinsam mit Forschern und Forscherinnen ganz verschiedener Fachrichtungen liefert Funkkkolleg-Host Jennifer Sieglar wissenschaftlich fundierte Antworten in einem neuen Videoformat und möchte Lehrern und Lehrerinnen sowie Schülern und Schülerinnen damit zur Hand gehen.

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Ich habe beschlossen, selbst etwas an meinem Leben zu ändern. Zitat von Jennifer Sieglar, Funkkolleg-Host
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Die Diskussion geht schon damit los, einmal genau zu schauen, wer eigentlich die Verantwortung für die Klimakrise hat. Die Antwort scheint im ersten Moment ganz einfach: jeder und Jede. Auch Jennifer Sieglar sieht die Verantwortung bei sich, fragt sich aber auch, ob das genug ist: "Ich habe beschlossen, selbst etwas an meinem Leben zu ändern, habe dann viel, viel weniger Fleisch gegessen und zum Beispiel eine regionale Bio-Kiste abonniert. Ich mache jetzt hier also meine Kleinigkeiten und da fragt man sich natürlich schon, hilft das überhaupt was?"

Eigentlicher Hebel für strukturelle Änderungen liegt nicht beim Einzelnen

Die überraschende Antwort gibt Professor Thomas Lemke. Er ist Soziologe an der Goethe-Universität in Frankfurt: "Der eigentliche Hebel für strukturelle Änderungen liegt nicht bei den Einzelnen." Auch wenn die CO2-Rechner im Internet das suggerieren wollen, wie der zum Beispiel des Ölkonzerns BP, erklärt Sieglar: "Nehmen wir an, ich bin Schülerin, 18 Jahre alt, wohne mit meinen Eltern in einer mittelgroßen Wohnung, habe kein Auto und esse regelmäßig Fleisch. Wenn ich das alles so beim BP-Rechner eingebe, dann lande ich schon bei einem Fußabdruck von mindestens sechs, sieben oder acht Tonnen CO2 pro Jahr.  Das ist deutlich mehr als der globale Durchschnitt und auch viel, viel mehr als okay wäre fürs Klimaziel. Das wäre nämlich nur etwa eine Tonne." 

Nach so einer Eingabe in den Rechner meldet sich dann schnell das schlechte Gewissen, auch wenn das - wissenschaftlich im funkkolleg.Klima belegt - nichts bringt. Faktisch ist es nämlich so, dass die Hälfte aller CO2-Emissionen in Deutschland in den beiden großen Bereichen Energieerzeugung und Industrie anfallen. Und ausgerechnet da können einzelne Personen nicht so viel ändern. Beim Thema Ernährung sieht das aber ganz anders aus, so Sieglar: "Jeder von uns kann mit seiner Ernährung wirklich beim Klimaschutz helfen."

Kein Fleisch ist auch eine Lösung

Wissenschaftler sagen: Es könnten weltweit acht Gigatonnen Treibhausgas-Emissionen pro Jahr eingespart werden, wenn auf tierische Nahrungsmittel verzichtet würde. Für Felix Creutzig, der am aktuellen Sachstandsbericht des Weltklimarats mitgeschrieben hat, ist die Datenlage klar: "Das hat mich schwer beeindruckt und seitdem esse ich noch maximal einmal pro Monat Fleisch. Ich habe es sehr, sehr stark reduziert, und das hätte ich nicht gemacht, wenn ich nicht gesehen hätte, wie viel das eigentlich ist."

Für die Experten im Funkkolleg Klima steht aber auch fest: Wenn nur darauf gehofft wird, dass Menschen von sich aus ihre Ernährungsgewohnheiten ändern, wird das nichts. Wie auch, wenn Fleisch und Milchprodukte überall bevorzugt angeboten und steuerbegünstigt werden, sagt Politikberaterin Stefanie Wunder: "Man muss sogar so weit gehen, dass man sagen muss: Unsere billigen Lebensmittel kommen uns teuer zu stehen."

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Das funkkolleg.Klima

Im "funkkolleg. Klima" geht es um wichtige Fragestellungen rund um den Klimawandel. Ab 29.3.2023 immer mittwochs um 20:35 Uhr in hr-iNFO.
Außerdem finden Sie das funkkolleg als Video auf Youtube oder in der ARD-Mediathek und als Podcast in der ARD-Audiothek.

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Weitere Informationen

Sendung: hr-iNFO "funkkolleg.Klima", 29.3.2023, 20:35 Uhr

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Quelle: hr-iNFO/kat