Ein Mann raucht eine Crack-Pfeife

Immer mehr Menschen verfallen in deutschen Großstädten dem Crack. Auch in Frankfurt nimmt die Droge, besonders im Bahnhofsviertel, immer mehr Raum ein und stellt Drogenhilfen und Behörden vor besondere Herausforderungen. Aber was genau ist eigentlich Crack und wie kommt es nach Hessen?

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Drogenelend im Bahnhofsviertel – Ist der „Frankfurter Weg“ eine Sackgasse?

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Es ist ein ganz normaler Morgen im Frankfurter Bahnhofsviertel. Auf den Bürgersteigen in der Nidda- und Elbestraße kauern Gruppen ausgemergelter Menschen zusammen. Manche starren ins Leere, streiten oder murmeln vor sich hin – und viele nehmen alle paar Minuten einen Zug aus einer kleinen Pfeife. Was sie da rauchen, ist in vielen Fällen Crack. Eine umgewandelte Form von Kokain, die beim Rauchen stark knistert und knackt - daher der Name.

Crack hat sich in den vergangenen 20 Jahren zur meistkonsumierten Droge im Bahnhofsviertel entwickelt. Das bringt verschiedene Probleme mit sich, sagt Tom Holz, der viele Jahre lang als Sozialarbeiter im Bahnhofsviertel gearbeitet hat:  "Crack hat eine ganz eigene Konsumdynamik und stellt auch die Drogenhilfe vor Herausforderungen.“ Die Wirkung von Crack hält viel kürzer an als andere Drogen. Heroin beispielsweise wird in der Regel alle vier bis sechs Stunden konsumiert. 

Kleine Mengen Crack sind billig

"Ein Crack-Konsument hat im Prinzip fünf Minuten nach dem Zug an der Pfeife wieder das Verlangen, Crack zu konsumieren. Und das führt zu einer ganz anderen Beschaffungskriminalität, weil auch Kleinstmengen von dem Crack für fünf Euro erworben werden können. Das heißt jede Sonnenbrille, die auf einem Armaturenbrett liegt, ist attraktiv für den Konsumenten“, sagt Holz.

Die heftige, kurze Wirkung von Crack hat aber noch andere Folgen: Wer es konsumiert, ist noch rastloser und stärker unter Druck, ständig neuen Stoff zu besorgen als bei anderen Drogen. Zudem putscht Crack auf. Wohl daher kommt die Erzählung, es mache die Drogenszene aggressiv.

Es gibt kaum mehr Rückzugsorte für Drogenabhängige

Bernd Werse, Forscher am Center for Drug Research der Frankfurter Goethe Universität, teilt diese Einschätzung nur zum Teil. Er führt seit 20 Jahren regelmäßige Erhebungen in der Frankfurter Drogenszene durch und glaubt, dass aktuell eher die geschrumpften Räume, in denen Drogenabhängige sich aufhalten können, für Konflikte sorgen – im Speziellen wegen der Schließung der B-Ebene und der Gentrifizierung des Viertels.

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„Ein Crack-Konsument hat im Prinzip fünf Minuten nach dem Zug an der Pfeife wieder das Verlangen, Crack zu konsumieren.“
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Das größte Problem für die Drogenhilfe und die Stadt in Bezug auf Crack sei ein anderes: Es gebe bisher kaum bewährte Strategien, um den Konsum zu kontrollieren oder Crack-Abhängigen zu helfen, erklärt Werse: "Gerade bei Heroin und Opioid-Abhängigkeit hat man ja doch relativ viel erreichen können durch Substitution, dass man eben Leuten Ersatzdrogen gibt, oder auch den Originalstoff, und man damit vielen Leuten ermöglicht hat, ein relativ normales Leben zu führen. Und das ist aber aufgrund dieser speziellen Wirkung und Konsumdynamik bei Crack wirklich schwieriger.“

Eine Konferenz zu dem Thema soll Lösungen bringen

Zudem ginge bei Crack der Plan der Stadt nicht auf, den Drogenkonsum in kontrollierte Räume zu verlegen. Denn um einen Zug an der Pfeife zu nehmen, braucht man keinen "Rauchraum“, die Abhängigen bleiben auf der Straße. In Frankfurt hofft man deshalb darauf, bei der Konferenz "Crack in deutschen Großstädten – von der Forschung zu praktischen Entscheidungen“, die an diesem Dienstag (4.10.) zum ersten Mal stattfindet, im Austausch mit Fachleuten aus Hamburg und Hannover neue Ansätze zu entwickeln.

"Es gibt zum Beispiel Vorschläge in die Richtung, dass man die Abhängigen auch mit der Originalsubstanz versorgen könnte, zum Beispiel mit E-Zigaretten, die mit Kokain versetzt sind. Ob das dann, wenn man den Leuten den Beschaffungsdruck nimmt, zur Entspannung der Lage beitragen könnte? Ich habe keine Antwort darauf, aber es wäre zumindest einen Versuch wert“, sagt Werse.

Der Flughafen ist das Drehkreuz für die Drogen

Doch wie kommt das Crack eigentlich nach Frankfurt? Laut Werse ist der Weg genau der wie der des Kokains: entweder über den Flughafen oder über Häfen wie Rotterdam oder Hamburg. Manchmal komme die Droge schon in der chemischen Form von Crack an, in anderen Fällen werde das Kokain vor Ort von Kleindealern umgewandelt: "Dieser chemische Umwandlungsprozess ist nicht sonderlich kompliziert, das können auch Amateure relativ problemlos selber machen. Deswegen kann man auch nicht so genau sagen, was aus kleinen Crackküchen in Frankfurt kommt und wie viel irgendwo anders herkommt.“

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„Dieser chemische Umwandlungsprozess ist nicht sonderlich kompliziert, das können auch Amateure relativ problemlos selber machen.“
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Der Polizei gelingt es immer mal wieder, solche Crack-Köche dingfest zu machen, Schmuggelware zu stoppen oder Dealer auf frischer Tat zu ertappen. Aber solche Ermittlungserfolge sind meist kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Erst kürzlich hat der neue Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller die Stadtregierung in die Pflicht genommen. Der Kern des Problems sei die Verelendung im Bahnhofsviertel. Und gegen die sind seine Beamten machtlos.

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