Fitnessstudio

Nach der Corona-Pandemie stehen viele Fitnesstudios jetzt vor der nächsten Herausforderung: den gestiegenen Energiepreisen. Das Straucheln der einst boomenden Branche hat nicht nur Folgen für die Betreiber, sondern auch fürs Gesundheitssystem.

Es wird gedrückt, gezogen, gestemmt im Sportpark Heppenheim. Das Fitness- und Gesundheitsstudio ist gut besucht an diesem Vormittag. Trainer in grünen T-Shirts beugen sich über Kunden, geben Tipps und stellen Geräte ein. Trotzdem: Es sind rund 20 Prozent weniger Kunden da als noch vor Corona, sagt Geschäftsführer Stefan Stadler.

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Höher, schneller, schweißtreibender: Deutschland und die Fitness

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Stadler leitet drei Studios und zwei Indoorspielplätze an der Bergstraße. Was er beobachtet: "Die Zurückhaltung beim Kauf – also beim Abschluss eines Vertrags. Da stellen wir fest, dass die Laufzeiten kürzer werden. Und wir stellen fest, dass man sich genau informiert vorher. Da ist nicht mal der Preis so entscheidend, was die Zurückhaltung auslöst, sondern die Bindungsängste."

Gestiegene Preise verunsichern

Der Grund liegt für Stefan Stadler auf der Hand: Die gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel verunsichern die Leute. Doch Gleiches gilt auch für seinen Betrieb. Solarien, Saunen - da muss jetzt manches Gerät aus bleiben, damit die Kosten nicht explodieren. "Es ist vor allen Dingen deshalb ernst, weil wir nicht wissen, bis wohin die Preissteigerung noch geht und was das mit unserer Zielgruppe macht. Diese Unsicherheit macht die Lage jetzt auch nach Corona schwierig. Man kann sich vorstellen, dass da einige Reserven aufgebraucht wurden, die jetzt vielleicht nötig wären."

Mit diesem Problem ist Stefan Stadler in Heppenheim nicht allein, weiß Theodor Stemper. Er ist Professor für Sportwissenschaften und leitet den Bundesverband Gesundheitsstudios Deutschland mit Sitz in Brühl. "Die Folgen werden sein, dass wir nach einer Umfrage, die wir gerade unter unseren Mitgliedern gestartet haben, bei knapp 50 Prozent sogar von Insolvenz sprechen", sagt er.

Auswirkungen aufs Gesundheitssystem

Neben den gestiegenen Energiekosten und den sparsameren Kunden würden auch der höhere Mindestlohn ab Oktober und Mehrkosten für den Wareneinkauf zu Buche schlagen. Dabei steht nicht nur für die Studios viel auf dem Spiel, so Sportwissenschaftler Stemper: "In den kleineren Orten, wo diese kleinen und mittleren Anlagen der Fitnessbetriebe zu Hause sind, ist das ein zentraler Anlaufpunkt neben Sportvereinen für Gesundheitsförderung." Wenn das wegbreche, werde das auch Auswirkungen im Gesundheitssystem haben. Denn "die Menschen, die sich nicht mehr ausreichend kontrolliert bewegen, werden eine Reihe Gesundheitsprobleme bekommen."

Der Rat seines Verbands an die Studios ist deshalb: auf Prävention und Rehabilitation setzen. Genau das ist auch ein wichtiges Standbein im Sportpark Heppenheim und wird von den Kundinnen und Kunden angenommen. Trotz höherer Preise überall.

"Gesundheit ist das Allerwichtigste"

"Ich arbeite selber im Einzelhandel", sagt Christian Lehmann. Er ist seit knapp einem Jahr Mitglied im Sportpark Heppenheim. "Ich sehe es bei uns, wie die Preise hoch gehen. Wäre es jetzt fünf oder zehn Euro mehr wegen der Situation, wäre ich bereit das zu zahlen, weil ich es hier cool finde. Daheim würde ich die Übung wahrscheinlich falsch machen und hätte mehr Rückenschmerzen am nächsten Tag als alles andere." Renate Otterstätter ist gut ein halbes Jahr dabei und wollte sich im Vorruhestand mehr um ihre Gesundheit kümmern. "Gesundheit ist das Allerwichtigste", sagt sie. "Alles andere, da kann ich locker sparen. Aber hier, da denke ich, das ist gut investiertes Geld."

Geschäftsführer Stefan Stadler nickt. Was ihn beruhigt: Auch wenn weniger Kunden in seine Studios kommen als vor Corona - die, die jetzt da sind, scheinen auch wirklich bleiben zu wollen.

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